Gedanken Im Alltag

Von Überforderung und Selbsterkenntnis: Ja, wir brauchen Hilfe.

In den letzten Wochen war es sehr still hier. Keine neuen Artikel. Keine neuen Erfahrungsberichte. Keine neuen Tipps. Heute möchte ich mich endlich wieder zurückmelden. Mit verspäteten, aber umso herzlicheren Neujahrsgrüßen. Mit neuen Gedanken, Impulsen und Erkenntnissen – wie gewohnt sehr ehrlich und direkt. Denn das ist mir besonders wichtig: ehrlich zu sein und offen zu sprechen. In den vergangenen Wochen habe ich erkannt, dass ich vor allem mir selbst gegenüber ehrlicher sein möchte und dass es an der Zeit ist, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Aber mal ganz von vorne…

Wenn die Kräfte nachlassen.

Das letzte Jahr war unglaublich aufregend und ereignisreich. Ich hatte das Gefühl, endlich bei mir angekommen zu sein, durfte viele wunderbare Erfahrungen sammeln, neue Dinge ausprobieren und dabei noch viele tolle Menschen kennenlernen. Ich war ganz stolz, dass ich alles so wunderbar im Griff hatte und rundum zufrieden war. Wir kamen doch ganz gut in unserer FraX-Welt zurecht. Und dann, pünktlich zum Ende dieses tollen Jahres, hat es mich umgehauen. Mit einem Mal waren all die Energie, die Kraft und der positive Blick in die Zukunft verschwunden. Aber wie konnte das sein? Die schönen Adventswochen, die glanzvolle Weihnachtszeit… Diesmal war wenig übrig vom Zauber dieser besonderen Tage. Ich musste mir eingestehen: Ich hatte mich übernommen. Es war zu viel. Zu viel für meinen Körper, zu viel für meine Seele. Plötzlich war ich einfach leer. Als hätte jemand den Stecker gezogen. Aber warum ausgerechnet jetzt? Was war passiert?
Im Nachhinein weiß ich, dass es wohl genau der richtige Zeitpunkt war… Der Jahreswechsel – die Zeit des Rückblicks und der Vorausschau…
Hatte ich mir in diesem etwa Jahr zu viel zugemutet? Hatte ich mir selbst etwas vorgemacht? Habe ich nicht genug auf meinen Körper gehört? Während ich anderen gerne Tipps gebe und aufmunternde Worte finde: Habe ich sie denn selbst eigentlich beherzigt? Vermutlich nicht. Oder zu wenig.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt.

Zum Ende des Jahres war ich schlichtweg mit allem überfordert. Überfordert mit unserem Kind, überfordert mit dem fragilen X-Syndrom, überfordert mit dem Alltag, überfordert mit mir selbst. Es ist hart, sich das selbst einzugestehen. Doch auch wenn es keine schöne Erfahrung war, so war sie doch wichtig für mich und meine weitere Entwicklung. Ich habe innegehalten und erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Dass ich im neuen Jahr einiges anders machen möchte und werde. Daraus entstanden nicht einfach nur „gute Vorsätze“, die nach wenigen Tagen wieder vergessen wären. Nein, es entstand ein eiserner Wille, der aus meinem tiefsten Inneren kam. Ich wusste: Wenn ich wieder zu Kräften kommen und das Leben richtig genießen will, dann ist es an der Zeit, gewisse Dinge zu ändern. Ich möchte nicht mehr einfach nur funktionieren – ich möchte wieder ganz bewusst und intensiv leben. Ab sofort werde ich noch mehr darauf hören, was mein Körper braucht und wann es genug ist – und dementsprechend handeln. Im Klartext bedeutet das: Hilfe suchen und auch annehmen.

Hilfe annehmen – ohne schlechtes Gewissen

Ja, es ist Zeit, Hilfe anzunehmen. Und zwar auch außerhalb der so wertvollen Unterstützung durch Familie und Freunde. Es gibt so viele Möglichkeiten in unserer heutigen Gesellschaft, so viele Hilfsangebote. Doch sie bringen eben nur demjenigen etwas, der sie auch in Anspruch nimmt. Diese Hilfe reicht vom vielfältigen Beratungsangebot durch Frühförderstellen oder den familienunterstützenden Dienst über Entlastungsleistungen im Haushalt bis hin zu Betreuungsangeboten für unsere Kinder, die über die Ersatzpflege der Pflegekassen abgerechnet werden können. Allein der Gedanke, diese Möglichkeiten jetzt auch intensiv in Anspruch zu nehmen, beruhigt mich sehr.
Dabei habe ich immer im Blick: Was tut unserem Kind gut? Was hilft mir persönlich? Wie will ich unseren Alltag gestalten, damit wir am Ende alle gut zurechtkommen?
Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass ich darüber noch einmal einen eigenen Beitrag schreiben könnte. Für heute aber möchte ich einfach nur einen kleinen Impuls geben, sich diese Möglichkeiten bewusst zu machen. Gleichzeitig möchte ich auch Dich dazu ermutigen, die Hilfe anzunehmen, die Dir zusteht und die Dir und Deiner Familie das Leben erleichtert. Es kostet manchmal etwas Überwindung, den ersten Schritt zu machen und aktiv zu werden. Aber am Ende werden wir vermutlich dankbar sein, dass es diese Hilfen gibt. 

Und jetzt bist Du dran!

Jetzt bist Du an der Reihe. Wie geht es Dir? Wie gut achtest Du auf Dich? Wie oft nimmst Du Dir Zeit für Dich? Für Deine Gesundheit? Für Deine Seele? Wo ist Euer Alltag besonders belastend und welche Möglichkeiten gibt es dafür? Wenn Du es nicht schon getan hast: Trau Dich und nimm die Hilfe in Anspruch, die Dir zusteht und die Dir guttut.

Vielleicht magst Du mir auch davon berichten, welche Hilfe für Dich persönlich besonders wichtig ist oder welche Unterstützung Du schon in Anspruch genommen hast?

Ich freue mich auf Deine Rückmeldung und wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft und Lebensfreude und dass in diesem neuen Jahr die Sonne für Euch scheint!

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