Kita & Schule

Hospitation im Kindergarten – seltene Einblicke, die glücklich machen.

Das war doch mal ein schöner Vormittag. Heute durfte ich für ein paar Stunden den Alltag im Kindergarten miterleben. Ich war tatsächlich aufgeregt – wie ein kleines Kind. Weil ich nicht wirklich wusste, was ich erleben würde und vor allem: wie ich damit umgehe. Vor einigen Monaten habe ich mich innerlich noch dagegen gesträubt und den Kitaleiter immer wieder vertröstet. „Ja, das können wir mal irgendwann machen.“ Ich war einfach noch nicht soweit. Ich denke es war vor allem die Angst, Situationen zu erleben, die mir weh tun könnten. Doch jetzt war ich bereit dazu. Ich wollte endlich selbst miterleben, wie sich unser Fips so im Kindergarten macht.

Einmal Mäuschen spielen…

Wir hatten bewusst einen Termin nach den Sommerferien gewählt. Die neuen Kinder sind noch nicht da, manche Kinder noch im Urlaub und die Schulanfänger haben sich teilweise schon verabschiedet. Daher war es eine recht überschaubare Gruppe – und ich mittendrin.

Unseren Fips hat es überraschenderweise auch gar nicht gestört, dass ich da war. Ich musste mich also nicht verstecken oder möglichst unauffällig verhalten. Er hat zwar ab und zu mal zu mir rüber geschaut, mehr aber auch nicht. Ansonsten erlebte ich ihn völlig „tiefenentspannt“ und in seinem Element. In seiner eigenen Kindergartenwelt.

So wertvoll sind klare Regeln, Abläufe und Strukturen.

Um 9 Uhr läutete der Gong zum täglichen Morgenkreis. Aus den Erzählungen des Kita-Teams wusste ich, dass unser Fips hier sehr motiviert und aktiv ist – jetzt durfte ich es selbst live erleben. Und ich war begeistert! Zunächst einmal von allen Kindern in dieser Runde. Ein zuckersüßes Bild. Aber dann war ich natürlich besonders fasziniert von unserem Fips. Wie er sich einbrachte, wie er sich an die Regeln hielt, wie toll das alles klappte!

Anschließend ging es zum Frühstück. Auch hier – alles Routine, alles ganz selbstverständlich. Klare Regeln und bekannte Abläufe, Rahmen und Strukturen, innerhalb derer er sich bewegen kann. Kurz darauf kam unser Fips, wie wohl jeden Morgen, mit der Frage: „Darf ich ins Bällebad?“ Allein mitzuerleben, wie er hier in so freundliche Kommunikation geht, wie er aktiv fragt, wie er Regeln befolgt – toll! Im Bällebad dann sein geliebter Rückzugsmoment: andere Kinder beobachten, sich spüren, einfach nur mal dasitzen und ganz gedankenversunken mit den Bällen spielen. So kenne ich ihn. Es war ein schönes Bild. So rundum zufrieden. Und ich war erstaunt, wie er sich auch anschließend so schön beschäftigte. Ich weiß, dass ihn ein solcher Vormittag viel Kraft kostet – und ich konnte gleichzeitig sehen und spüren, dass er sich hier wunderbar einbringt und zufrieden ist.

Vollgepackt mit positiven Gefühlen

Beim Stuhlkreis, den ich dann noch miterleben durfte, hat mein Herz noch einmal Luftsprünge gemacht. Es ist wirklich erstaunlich, welch enorme Kraft die Umgebung im Kindergarten und die anderen Kinder unserem Fips geben. Ich durfte eine völlig neue Seite an ihm beobachten, die ich sonst nicht sehe. Und das hat mich sehr glücklich gemacht. Es war ein Tanz der Gefühle an diesem Vormittag – zwischen Staunen und Rührung, zwischen freudiger Begeisterung und angenehmer Beruhigung für meine Seele. Nicht einen Moment lang war ich traurig, bedrückt oder in irgendeiner Form negativ gestimmt. Ich habe alles an positiven Gefühlen herausgeholt und mitgenommen, was ich bekommen konnte. Zwar war es insgesamt wenig interaktives Spielen mit anderen Kindern, aber selbst das hat mich überhaupt nicht betroffen gemacht. Während mir das früher sicher weh getan hätte, war es an diesem Vormittag völlig ok für mich. Es war alles gut so, genauso wie es war. Unser Fips ist mittendrin und zieht sich zurück, wenn er es braucht. Es war ein schöner Mix aus Teilnahme an gemeinsamen Aktionen und dem Rückzug in ruhige Phasen.

Als ich mich verabschiedet habe, hatte ich ein Strahlen im Gesicht. Ich wusste, dass es hier im Kindergarten gut läuft, aber es einmal selbst mitzuerleben, hat mein Bild von unserem Fips noch einmal mehr positiv bestärkt. Vor allem wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig für ihn klare Strukturen und Regeln sind, wie enorm wichtig ständige Wiederholungen sind (jeden Tag aufs Neue, Montag bis Freitag, immer wieder das Gleiche) und wie wertvoll der Kontakt zu anderen Kindern ist. Kinder, die ihm vertraut sind, die ihn annehmen, wie er ist.

Mein Fazit: Der Besuch im Kindergarten war für mich ein besonders wertvolles Erlebnis. Viele positive Eindrücke, Glücksmomente und Aha-Effekte. Einfach beruhigend zu sehen, wie zufrieden unser Fips hier spielt und wie er im Kontakt mit den anderen Kindern ganz klar seine eigene Position gefunden hat. Und mein Fazit für mich selbst? Für die Zukunft? Mutiger und gelassener sein. Mich öfter mal überraschen lassen, wie viel positives in den Dingen stecken kann, die uns zuvor noch Sorgen bereitet haben. Aus diesen positiven Erlebnissen zehren und in Zukunft noch viel mehr davon sammeln.

Wenn auch Du bisher noch nicht die Gelegenheit für eine Hospitation im Kindergarten genutzt hast, kann ich es Dir nur empfehlen – nutze diese Chance! Wir wissen zwar alle, dass sich Kinder zuhause anders verhalten als im Kindergarten – aber hier dürfen wir es selbst erleben. Eine tolle Möglichkeit, wie ich finde.

Daher hier meine 4 Tipps für eine Hospitation im Kindergarten:

  • Informiere Dich, ob Euer Kindergarten grundsätzlich Hospitationen für Eltern anbietet.
  • Warte auf den „richtigen“ Zeitpunkt für Dich persönlich – bist Du (schon) bereit dafür?
  • Wenn Du Dich dazu entschieden hast: Schaut bei der Terminabstimmung nach geeigneten Tagen, an denen die Erzieher und Erzieherinnen ein wenig Zeit für Dich haben und an denen vielleicht nicht gerade „volles Haus“ ist.
  • Während der Hospitation: Achte mal ganz bewusst auf die vielen positiven Dinge, die Du sonst vielleicht weniger wahrnimmst.

Ich wünsche Dir ganz viel Spaß dabei! 🙂

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4 Kommentare für “Hospitation im Kindergarten – seltene Einblicke, die glücklich machen.

  1. Hallo Steffi,
    das macht so Spass zu lesen!! Gänsehaut…wie Du Fips’s Kitaalltag, der für uns so normal und allgegenwärtig ist, nachempfindest !
    Fips lernt immer weiter und es ist bestimmt spannend nach einer gewissen Zeit wieder mal in diese Kitawelt einzutauchen und Neues von ihm zu entdecken!!

  2. Liebe Steffi, mal wieder schön zu lesen, wie dich dein kleiner Fips glücklich macht – und das mit alltäglichen Dingen. So einfach kann es sein 🙂
    Bei uns im Kindergarten gibt es auch die Möglichkeit zu hospitieren. Das wird vor allem den Eltern der Vorschulkinder angeboten, und man darf einen Tag in einer vorher festgelegten Woche schauen, mitspielen, miterleben. Ich werde das sicher auch wahrnehmen, obwohl ich mir einbilde, durch mehrere Eingewöhnungen (in diversen Kitas u Gruppen 😉 den Kindergartenalltag ein wenig zu kennen. Aber ich lasse mich gerne überraschen…
    Ich wünsche eurem Fips noch viele schöne, entspannte Kindergartentage.

    1. Liebe Petra,
      vielen lieben Dank! 🙂
      Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim nächsten Hospitieren und bin mir sicher, dass es immer wieder neue Dinge zu entdecken gibt – auch für uns Eltern 😉
      Liebe Grüße, Steffi

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